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Neue empirische Studien belegen: Mitbestimmung ist kein Nachteil, sondern ein Vorteil für die Leistungskraft von Unternehmen.

© Burkhard Trautsch/aboutpixel.de

Die Zukunft der Mitbestimmung ist zur Zeit erneut Gegenstand einer lebhaften Debatte in Politik und Öffentlichkeit.

Dabei wird immer wieder ins Feld geführt, dass Mitbestimmung ein Standortnachteil für mitbestimmte deutsche Unternehmen im globalen Wettbewerb sei.

Dafür gibt es allerdings keinen empirischen Beleg aus den Ergebnissen aktueller Studien zur Wirkung der Mitbestimmung. Ein negativer Zusammenhang zwischen Mitbestimmung und wirtschaftlicher Leistungskraft besteht demnach nicht. Im Gegenteil mehren sich die Hinweise darauf, dass Mitbestimmung positive Auswirkungen auf die Leistungskraft von Unternehmen hat.

1. Wirkung: Mitbestimmung erhöht die Produktivität

Die Einführung der paritätischen Mitbestimmung im Aufsichtsrat hat sich nach den Ergebnissen einer vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn (IZA) veröffentlichten Studie positiv auf die Produktivität in den untersuchten Unternehmen ausgewirkt. Gegenstand der Untersuchung von Felix FitzRoy (Universität St. Andrews) und Prof. Dr. Kornelius Kraft (Universität Dortmund) ist die Entwicklung der Produktivität in 179 deutschen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes vor und nach Einführung des Mitbestimmungsgesetzes von 1976. Unter den untersuchten Unternehmen sind 65 Unternehmen, die in den Geltungsbereich des Mitbestimmungsgesetzes fallen. In diesen Unternehmen hat sich die Produktivität nach Einführung der paritätischen Mitbestimmung leicht erhöht. Zusammenfassend stellen die Forscher fest: "Zweifellos gibt es keinen Hinweis auf den von Gegnern aus Industrie und Wissenschaft vorhergesagten negativen Effekt".

Quelle: FitzRoy, Felix R./Kraft, Kornelius (2004): Co-determination, Efficiency, and Productivity in: IZA Diskussion Paper Nr.: 1442.

Noch positiver sieht das Urteil für die betriebliche Mitbestimmung aus. Prof. Dr. Frick (Universität Witten/Herdecke) stellt auf der Grundlage von Daten des IAB-Betriebspanels fest, "dass die Existenz eines Betriebsrates in west- wie in ostdeutschen Unternehmen mit einer statistisch signifikanten und ökonomisch relevanten höheren Arbeitsproduktivität" einhergeht. Das IAB-Betriebspanel ist eine vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit durchgeführte repräsentative Befragung zu betrieblichen Bestimmungsgrößen der Beschäftigung. Derzeit werden bundesweit knapp 16.000 Betriebe aller Branchen und aller Größen zu beschäftigungspolitischen Themen befragt.

Quelle: Frick, Bernd (2005): Kontrolle und Performance der mitbestimmten Unternehmung: Rechtsökonomische Überlegungen und empirische Befunde, erscheint demnächst in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderband "Vom Manager- zum Finanzmarktkapitalismus. Zum IAB-Betriebspanel siehe: betriebspanel.iab.de

Eine repräsentative Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) untersucht den Einfluss von Betriebsräten auf die Einführung moderner Arbeitsformen. Auf Grundlage des IAB-Betriebspanels kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Einführung moderner Arbeitsformen wie Gruppenarbeit, flache Hierarchien und Profit-Centern nur in Betrieben mit Betriebsrat zu einer signifikant erhöhten Produktivität geführt habe. Damit bestätigen sich theoretische Analysen, nach denen die Mitstimmung im Betriebsrat einen wichtigen Beitrag zum Aufbau vertrauensvoller Arbeitsbeziehungen zwischen Management und Belegschaft leisten kann. Und dass die Beteiligung der Mitarbeiter/innen ein "erprobtes Mittel zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen ist".

Quelle: Zwick, Thomas (2003): Work Councils and the Productivity Impact of Direct Employee Participation", in: ZEW Discussion Paper Nr. 03-47; ZEW Pressemitteilung vom 10.09.2003.

2. Wirkung: Mitbestimmung ist kein Hinderungsgrund für Innovation.

In ihrer aktueller Studie "Die Auswirkungen der gesetzlichen Mitbestimmung auf die Innovationsaktivitäten deutscher Unternehmen" betrachten Prof. Dr. Kornelius Kraft (Universität Dortmund) und Jörg Stank (Universität Essen) die Patenterteilung von 155 Aktiengesellschaften des verarbeitenden Gewerbes vor und nach der Einführung des Mitbestimmungsgesetzes von 1976. Die Analyse der Patenterteilungen ist nach Angaben der Forscher als Maßstab zur Messung von Innovation besonders geeignet. Kraft und Stank kommen zu dem Ergebnis, dass "mitbestimmte Unternehmen in Relation zu den nicht-mitbestimmten Firmen mehr Patenterteilungen erwerben konnten, als vor Inkrafttretung des MitbestG". Die Wissenschaftler interpretieren das Ergebnis dahingehend, "dass sich die Mitbestimmung nach dem MitbestG eindeutig nicht negativ auf das Innovationsverhalten der Unternehmen auswirkt." Dabei widersprechen sie der These, Mitbestimmung verlangsame die Entscheidungsprozesse und verringere damit Innovationsaktivitäten.

Quelle: Kraft, Kornelius/Stank, Jörg (2004): Die Auswirkungen der gesetzlichen Mitbestimmung auf die Innovationsaktivitäten deutscher Unternehmen, in: Schmollers Jahrbuch 124, S. 421-449.

Zusammen mit Dr. Ralf Dewenter (Universität der Bundeswehr, Hamburg) kommen die Autoren Kraft und Stank in einer ähnlichen Studie mit dem Titel "Co-determination and Innovation" zu dem Ergebnis, dass "wenn überhaupt, ein positiver Effekt [der Mitbestimmung] geschätzt werden kann".

Quelle: Kraft, Kornelius/Stank, Jörg/Dewenter, Ralf (2004): Co-determination and Innovation, Manuskript.

3. Wirkung: Mitbestimmung ist kein Hemmnis für Investitionen

Ausgehend von gewerkschaftskritischen Theorien der us-amerikanischen Volkswirtschaftslehre diskutiert ein internationales Forschungsteam in einer aktuellen Studie die Frage, ob die Gründung eines Betriebsrates einen Einfluss auf die Investitionen hat.

Auf der Grundlage von Daten des IAB-Betriebspanels stellen die Wissenschaftler fest, dass "es keinen Beweis dafür gibt, dass die Gründung eines Betriebsrates einen unvorteilhaften oder vorteilhaften Einfluss auf Investitionen hat".

Quelle: Addison, John T./Schank, Thorsten/Schnabel, Claus/Wagner, Joachim (2005): Do Work Councils Inhibit Investment?, in: IZA Discussion Paper Nr. 1473.


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